Burg Roßlau

Ansicht der Burg

Die Wasserburg zu Roßlau


Mit einer Urkunde aus dem Jahr 1358 taucht die Roßlauer Burg erstmals in der schriftlichen Überlieferung auf, in dem Schriftstück wird der Kauf der Burg durch die Fürsten von Anhalt besiegelt. Die Burganlage selbst ist jedoch älter, wie Funde aus der Bronze- und Eisenzeit belegen. Eine durchgehende Besiedlung lässt sich für das Burgareal zumindest in einem Teilbereich vom 9. bis 13. Jahrhundert nachweisen. Wann genau die jetzige Burganlage errichtet wurde bzw. wie eine frühere Burganlage aussah, ist bisher unbekannt. Lediglich einige Architekturmerkmale, wie eine Fugenritzung im Wohnturm, weisen auf eine spätromanische Bauphase der jetzigen Burg hin.


Mit dem bereits genannten Schriftstück tritt die Burg bereits als etwas fertiges in das Licht der Geschichte ein. Unmittelbar auf bzw. in der slawischen Kulturschicht gründet sich die deutsche Burganlage, die ursprünglich vermutlich nur aus einer Motte, der sogenannten Turmhügelburg bestand. In einer zweiten Bauphase erfolgte die Errichtung des Wohnturm und der Ringmauer, später folgten weitere Gebäuden die sich nur in geringen Mauerreste nachweisen lassen. Zu dieser Zeit findet sich das Ministerialengeschlecht von Schlichting auf der Burg, die auch als deren Erbauer angesehen werden kann. Im Jahr 1337 überlassen die Schlichtdings ihre Burg den Fürsten von Anhalt, diese wiederum verpfändeten sie an die Grafen von Lindau und kauften sie schließlich im Jahr 1358 zurück.


Mit der Übernahme der Burg durch die Fürsten von Anhalt wandelte sich die Burg von einem Ministerialensitz zu einer Residenz, häufig diente die Burg als Leibgedinge bzw. Witwensitz der Anhaltischen Fürstinnen, aber auch die Fürsten der Zerbster und Dessauer Linie hielten sich hier wiederholt auf. Bedeutende Funde aus dem Mittelalter sind eine Schachfigur und eine Steinkammer-Luftheizung. Ein weiterer, Aufsehen erregender Fund, war im Jahr 2005 ein Goldring, der aufgrund des eingravierten Symbol des Handschlages den Namen „Rosslauer Treuering" erhielt. Da er mit Fundstücken des 14. Jahrhunderts auftrat, wurde er auch als mittelalterlicher Ring eingestuft. Aber weitere Untersuchungen des Ringes, insbesondere seine Stilistik, sprechen ehr für das 17. Jahrhundert als seine Entstehungszeit. Im 14. Jahrhundert wird auch das Gut an der Burg genannt bzw. der Amtmann erhält seinen Dienstsitz  dort. Damit einher gingen auch wieder Bauarbeiten auf der Burg, die sich nur in sehr geringen Bauresten nachweisen lassen.


Die nächsten großen Baumaßnahmen an der Burg erfolgten im 16. Jahrhundert, eine neue Geschosseinteilung im Wohnturm, ein neuer Seitenflügel und der Wendeltreppenturm mit Turmuhr entstanden zu dieser Zeit. Sichtbare Bauelemente aus dieser Zeit sind die Sandsteingewände. Zu dieser Zeit war die Burg mit einem Doppelgraben umgeben, der mit Fischen besetzt war. Zugang zur Burg erhielt man über eine Brücke, die zu einem Sandsteinportal führte, das mit dem Wappen des Fürsten Joachim Ernst von Anhalt und seiner Gemahlin verziert war.


Im 17. Jahrhundert galt es die Schäden des dreißigjährigen  Krieges, insbesondere der Schlacht an der Elbbrücke, zu beseitigen. Zwar hatte die Burg zu dieser Zeit keine strategische Bedeutung, aber als Wirtschaftshof für die Versorgung des Soldaten war sie von größter Bedeutung. So wurde die Burg von den Soldaten geplündert und in Brand gesteckt. Zu dieser Zeit war die Familie von Metzsch als Amtsleute auf der Burg und übernahmen mit dem Jahr 1644 den Wiederaufbau der Burg, zu einer barocken Schlossanlage. Aber auch die Wirtschaftsbauten der Unterburg wurden durch die von Metzsch wieder aufgebaut, wie uns die Baustoffrechnungen aus den Jahren 1652 bis 1656 belegen. Gleichzeitig wurden die Burggräben verfüllt und mit Feldsteinen gepflastert.  Anschließende Arbeiten galten dem Innenbereich, so wurde z.B. um 1670 im ersten Obergeschoss des Südwestflügel, der als Saal konzipierte Raum durch den Einbau von Fachwerkwänden unterteilt.


Umfangreicher Schriftverkehr des Amtmann Honig mit der Kammer in Zerbst berichtet von starken Verfallserscheinungen an der Burg, insbesondere des Wendeltreppenturms. Infolgedessen wurde dieser Turm im Jahr 1743 abgebrochen, bis auf einen Stumpf und darauf im Jahr 1750 ein kleiner Fachwerkaufsatz errichtet, so wie der Treppenturm noch heute vorhanden ist. Weitere Baumaßnahmen waren um 1750 die Stallungen in der Oberburg und das Fachwerkhaus, welches nach dem Holzeinschlagwinter 1779/80 zimmermannsmäßig abgebunden wurde. Von diesen zahlreiches Baumaßnahmen des 18. Jahrhunderte, die auch in den Wirtschaftsgebäuden der Unterburg stattfanden, kündet noch heute der Schlussstein in der Tordurchfahrt  der Torscheune mit der Jahreszahl 1756.


Trotz der Baumaßnahmen im 18. Jahrhunderte setzte ein steter Verfall der Burg ein, sodass 1812 nur noch die Stallstube und eine Kammer nutzbar war. Gleichzeitig zerstörten mehrerer Brände, insbesondere eine Brandstiftung im Jahr 1825, die Wirtschaftsgebäude in der Unterburg. In diesem trostlosen Zustand begannen die Herzöge von Anhalt-Köthen den Wiederaufbau der Burg. Zunächst begann Ferdinand von Anhalt-Köthen in den Jahren 1826/27 mit der Neugestaltung der Außenanlagen. Auf der „wüsten Brandfläche" entstand der Schlossgarten, ebenso wurde der Burggarten mit seinen Teichen angelegt. Nach seinem Tode übernahm Herzog Heinrich von Anhalt-Köthen die Regierung im Land und auch die Burg Roßlau. Dieser ließ sie in den Jahren 1833 bis 38 umfassend sanieren und im neugotischen Stil wiederherrichten. Einige dieser Sanierung sind heute noch zu sehen, wie einige Fenster, Türen, das Treppengeländer und der Kamin im zweiten Obergeschoss des Wohnturmes.


Nach dem Tode des Herzog Heinrich und der Übernahme der Burg durch die Dessauer Herzöge wurde die Burg nicht mehr genutzt. 1924 wurde dann mit der Planung zum Einbau von 5 Wohnungen in der Rosslauer Burg begonnen. Zu diesem Zweck wurden die großen Räume unterteilt, Küchen und Bäder bzw. WC eingerichtet. Dieser Umbau geschah mit allem Komfort der damaligen Zeit . Bewohnt war die Burg bis ca. 1988 und steht seither wieder leer.
Erst mit der Gründung des Förderverein Burg Roßlau e.V. im Jahr 1999 begann wieder Leben auf der Burg einzuziehen. Gemeinsam mit dem Eigentümer der Burg, der Stadt Roßlau und seit 2007 der Stadt Dessau-Roßlau, wurden Bauuntersuchungen Durchgeführt und ein Nutzungskonzept erstellt. Daneben prägen Bauhandwerker seit einiger Zeit das Bild der Burg, statische Sicherungsarbeiten und Balkensanierung sind erste Etappen zum weiteren Erhalt und zukünftigen Nutzung der Burg.

 
 
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